Da schleppst du dich endlich
mal zur Wahlurne und wählst die, die dir die eh nicht in deiner Nachbarschaft
vorhanden Ausländer vom Hals schaffen wollen und was bekommst dafür: 60
Stundenwoche und Abbau der Sozialleistungen. Hättest du doch vorher nur mal
besser zugehört. Dumm gelaufen, du dummer Mitläufer.
Grundrecht
Damit keine Missverständnisse entstehen: Nein, du musst
nicht über Balkone klettern, kein Kind retten. Auch musst du nicht besonders
mutige, waghalsige Kunststücke vollbringen, nicht permanent den Lebensretter
geben. Ja, du musst nicht mal jeden Samstag pünktlich die Straße kehren und
darfst auch mal ohne zu grüßen an deinem Nachbarn vorbei gehen. Du darfst das.
Und noch viel mehr. Du hast trotzdem ein Recht auf Asyl. Das ist nämlich keine
Gefälligkeitsgeste, kein Leckerli für braves und angepasstes Verhalten, sondern
eines der Grundrechte bei uns. Und ja, das darfst du in Anspruch nehmen. Das
musst du dir nicht "verdienen".
Wirtschaftsflüchlinge
Bei vielen der letzten Kriege und militärischen
Einmischungen ging/geht es um Öl, Bodenschätze, etc. und/oder Zugangswege zu
den selbigen. Man marschiert in ein Land ein; zerbombt es; zerstört die
Infrastruktur; liefert die Waffen; unterstützt Diktatoren und/oder
Terrororganisationen, die einem genehm sind.
Aus einem einzigen Grund: Weil es den eigenen
wirtschaftlichen Interessen entspricht.
Da werden gewachsene Strukturen in der Landwirtschaft und im
Binnenhandel geschreddert, damit man dort, entsprechend der Bedürfnisse in den
eigenen Ländern, billiger Zeugs anbauen kann, Viehherden großindustiell
hochzüchten, oder den Schrott an Lebensmittel oder den eigenen Wohlstandsmüll
auf den dortigen Markt werfen kann.
Aus einem einzigen Grund: Weil es den eigenen
wirtschaftlichen Interessen entspricht.
Da lässt man Frauen und Kinder wie Sklaven arbeiten, damit
man im Billigsektor der Bekleidungsindustrie auf dem heimischen Markt bestehen
kann und auch dort noch Gewinne einfährt. Man lässt Menschen in anderen
Betrieben/Unternehmen für einen Hungerlohn und unter unmenschlichen Bedingungen
Arbeiten verrichten. Wehren sich die Menschen dagegen, dann zieht man, einer
Heuschreckenplage gleich, einfach weiter ins nächste Land.
Aus einem einzigen Grund: Weil es den eigenen
wirtschaftlichen Interessen entspricht.
Man zerstört die Umwelt, greift in den natürlichen Kreislauf
ein, macht Wälder platt, Wasser zu einer Ware, die Meere überfischt und zu
Abfalleimern degradiert, und, und, und.
Aus einem einzigen Grund: Weil es den eigenen
wirtschaftlichen Interessen entspricht.
Da werden ganze Ernten vernichtet und überschüssige
Lebensmittel in unvorstellbarem Ausmaße auf dem Müll entsorgt.
Aus einem einzigen Grund: Weil es den eigenen
wirtschaftlichen Interessen entspricht.
Und tönt dann empört, wenn die Menschen aus diesen Gebieten
fliehen: Alles Wirtschaftsflüchtlinge! Ja, sind sie. Sie fliehen vor den Folgen
der Durchsetzung eurer wirtschaftlichen Interessen.
Brütende Vögel
„Man verbietet ein Konzert der Neonazis, weil sich auf dem
Gelände brütende Vögel befinden.“
„Ach, das kommt doch gut, Frau Müller!“
„Nöh, für mich ist das eher peinlich. Richtig hätte ich es
gefunden so ein Konzert zu verbieten, weil sich dort Rassisten, Rechtsradikale,
Neonazis und Holocaustleugner treffen und gemeinsam abfeiern und mit Texten,
Aussprüchen, Aufdrucken, Handzeichen und Beiträgen gegen geltendes Recht
verstoßen. Aber dazu bräuchte es ja Eier in der Hose bzw. eine aufrechte innere
und äußere Haltung.“
Darum
Gilt es zu verstehen: Die AfD wird nicht trotz ihres
Rechtsradikalismus, ihrer Fremdenfeindlichkeit, ihres Rassismus, ihrer
Homophobie, ihrer Frauenfeindlichkeit, sondern gerade wegen diesen Haltungen von
den Leuten gewählt.
Wie man auf sowas kommt? Na ja, die Aussagen zu sozialen und
wirtschaftlichen Fragen in den Programmen, oder in den bisherigen Anträgen und
Reden in Landtagen und im Bundestag, können es nicht sein. Denn nach denen
hätte sie nur eine kleine, privilegierte Wählerschaft. Da sie aber auch und
gerade von denjenigen gewählt wird, die da ziemlich schlecht wegkommen, bleibt
ja nur das oben Genannte als Gründe für deren Wahl übrig.
Wollte man also wirklich einen Teil dieser Wählerschaft
zurück gewinnen, dann müssten die konkreten und realen Verbesserungen im
sozialen und wirtschaftlichen Bereich derart deutlich im alltäglichen Leben
spürbar sein, dass deren Sicherung und weiterer Ausbau eine höhere
Verführungskraft hätten, als die von der AfD angebotene, auf sozialen und/oder
intrapsychischen Ressentiments aufbauenden, Hasskultur.
Gibt es da irgendwo konkrete Ansätze dazu? Papier ist
geduldig.
Ernst nehmen
„Die Flüchtlinge sollen wieder nach Hause gehen. Die gehören
nicht hierher!“
„Und wen suchst du dir dann als Feindbild zum Puschen deiner
Mickrigkeit? Die Linken, die Homosexuellen, die emanzipierten Frauen, die
Vielfältigen, die Andersdenkenden, die Religiösen, die guten Menschen, die
Mitfühlenden, die Schwarzen, die Freidenker, die Humanisten, die Veganer, die jungen
Weltbürger? Oh, ich vergaß, die hast du ja alle schon auf deiner Abschussliste.
Ich könnte dir dann noch die Linkshänder, die Brillenträger, die Fußschwitzer
oder die Nacktschläfer anbieten.“
„Du nimmst mich nicht ernst!“
„Oh doch, ich nehme dich sehr ernst. Ernster als du dich
selbst.“
Miteinander reden?!
"Wir verteidigen doch nur unsere alten, christlichen
Werte, Frau Müller!"
"Die da wären?"
"Zucht und Ordnung, Gehorsam, Pflicht und
Vaterland!"
"Sonst noch was?"
"Deutschland den Deutschen!"
"Schon mal was von Nächstenliebe, Barmherzigkeit,
Mitgefühl, Demut, Hingabe, Vergebung gehört?"
"Jetzt kommen Sie mir aber nicht mit diesem Gutmenschen
Scheiß, Frau Müller! Ich habe Sie wirklich für intelligenter gehalten."
"Ich glaube wir kommen da nicht auf einen grünen Zweig
miteinander."
"Grüner Zweig? Ganz genau. Weihnachten. Ein urdeutsches
Fest. Haben schon die Germanen gefeiert. Lange vor dem, der da am Kreuz
rumhängt und vor dem Mochamed, oder wie der heißt. Aber klar, die wollen ja
alles kaputt machen. All unsere christlichen Werte!"
Warum tue ich mir solche Gespräche an? Weil, es könnte ja
jemand dabei sein, der nicht ganz so verbohrt und deppert ist. Und weil ich
freundlich bin und antworte, wenn das Intro nicht sofort mit Schimpfwörtern
unter der Gürtellinie beginnt. Ich frage mich eher, warum wollen solche
Menschen ausgerechnet mit mir schreibend kommunizieren? Was haben die davon?
Haben die was davon?
*Anmerkung
Das Gespräch ist ein
verkürzter Blick auf einige Gespräche bei Facebook. Die Rechtschreibung und
Grammatik habe ich ein wenig verbessert, der Lesbarkeit halber.
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