Gesprächsführung in Sozialen Netzwerken

Interessant: Menschen mit einer rassistischen Grundhaltung halten es übrigens nur schwer aus, wenn man auf ihre verbalen Grenzüberschreitungen nicht weiter antwortet. Sie drehen dann richtig auf und werden peu à peu aggressiver und übergriffiger. Was ist das? Ein Defizit an Aufmerksamkeit? Ja, ich denke dahinter steckt eine verwirrte Seele, die nach Wahrgenommenwerden schreit. Durch den Kopf gehen mir kleine Kinder, die traurigerweise schnell gelernt haben, dass eine negative Aufmerksamkeit immer noch besser ist, als gar keine. Es ist verführerisch sich auf einen Diskurs mit so jemanden einzulassen. Man verliert jedoch immer und erreicht das Gegenüber nicht, denn es ist ein Spiel nach seinen Spielregeln, die es willkürlich ändern kann. Also gilt es, der Verführung zu widerstehen und es auszuhalten. Ich handhabe es mittlerweile so: Ich benenne, was ich sehe und wahrnehme (vor allem für die Mitlesenden) und dann ist Schluss. Nicht einfach, aber ich werde besser drin-

Das Irre ist, dass wenn man sein Spiel spielt, dann führt das Gegenüber einen Monolog und es ist egal, was man sagt, schreibt. Oder besser noch: Es führt einen Dialog mit einem imaginierten Gegenüber, welches mit dir überhaupt nichts zu tun hat. Du lieferst nur die Stichwörter, dann läuft sein eigener Film. Spannend würde es erst dann, wenn man auf einem ganz anderen Feld die Rolle des Spielführers übernimmt. Das ginge dann aber eher Richtung Therapie und das machen die meisten von uns ja nicht beim Plaudern bzw. gibt es dafür ja auch keinen Auftrag vom Gegenüber. Also am besten ins Leere laufen lassen, vielleicht entsteht dann (ich weigere mich schlichtweg nicht zu hoffen) irgendwann einen derartigen Leidensdruck, dass die Person sich professionelle Hilfe holt. Und dann werden es eh ganz andere Themen als Fremde, Homosexuelle, Merkel, oder sonst ein Platzhalterquatsch sein.

Reaktionen

Ich fasse kurz zusammen, was ich beim Überfliegen rechter Foren und Kommentare so raus gefiltert habe: 

Die Ehe für gleichgeschlechtliche Partner ist ein Sieg des Islams und öffnet die Türen für Kinderehen, sexuellen Missbrauch und Inzest. Also in etwa so: Väter heiraten ab nun die eigenen minderjährigen Söhne, vergewaltigen sie und verkaufen sie dann später an gleichgesinnte Spießgesellen weiter. Damit wird der sittliche Verfall des Abendlandes und das Aussterben des deutschen Kulturgutes endgültig besiegelt.  Eine andere Version ist, unter den gleichen Voraussetzungen (der federführende Islam und so), dass jetzt alle gleichgeschlechtlichen Paare von Moslems ermordet werden können, da ja nun registriert und dann diese Lücken in der Bevölkerung durch fanatische Islamisten (die natürlich als getarnte Flüchtlinge hierher kamen oder kommen) aufgefüllt werden. Auch hier das Ziel die totale Vernichtung der moralischen und kulturellen Werte des Abendlandes und letztendlich die Ausrottung aller nicht moslemischer, sprich biodeutscher, Menschen. … Natürlich alles unter der Regie von Frau Merkel!

Nein, sowas kann ich mir nicht ausdenken. Ich bin geplättet von so viel schwarzer Fantasie. Es muss anstrengend sein damit zu leben. So anstrengend. 

*Anmerkung
Interessant übrigens, dass in den dortigen Beiträgen immer nur von Männern die Rede ist, wenn es um gleichgeschlechtliche Eheschließungen geht. Für den psychologisch geschulten Blick ein weites, gut gedüngtes Analysefeld. 

Meine aktuelle Definition

Meine Definition von Rassismus: Abwertung und daraus folgende Diskriminierung von
Menschengruppen aufgrund von frei und willkürlich zugeschrieben negativen Eigenschaften, die sich angeblich kausal festmachen lassen an Herkunft, Ethnie, Religion, Status, Alter, Geschlecht, sexueller Identität.

Anders: Einer nicht homogenen Gruppe eine Homogenität lediglich aufgrund von Herkunft, Ethnie, Religion, Status, Alter, Geschlecht oder sexueller Identität zu unterstellen und dieser imaginierten Gruppe und jedem potentiellen Gruppenmitglied dann, pauschalisierend und willkürlich, negative Eigenschaften zuzuschreiben, um im Weiteren aufgrund der vorgeblichen Logik, Diskriminierungen zu rechtfertigen.

Gespräche

Auszug aus einem Dialog in einem sozialen Netzwerk. Meine Antwort.

Ich zitiere Sie noch mal: "Es sind nicht Flüchtlinge, die zu uns kommen, sondern Sozialschmarotzer und islamische Invasoren." <- Bedeutet: Sie verbinden den Status Flüchtling pauschal mit den abwertenden Kategorien Sozialschmarotzer und islamische Invasoren. Keine Differenzierung, sondern pauschalisierende Abwertung einer real eben nicht homogenen Gruppe. Das nenne ich Rassismus.

Gleichzeitig deuten Sie den Status "Flüchtling" um in "Invasor". Das ist ein beliebtes Stilmittel billigster politischer Propaganda und ist, in Verbindung mit einer als homogen gesetzten nicht homogenen Gruppe und einer ebensolchen angenommenen Glaubensrichtung, zutiefst rassistisch. Der abwertende Begriff "Sozialschmarotzer" wird bei uns üblicherweise zur Diskriminierung von Menschen verwandt, die von staatlicher Seite, mit Rechtsanspruch, unterstützt werden. Auch hier wird einer nicht homogenen Gruppe eine Homogenität unterstellt und diese dann mit negativen Wertungen kausal in Zusammenhang gebracht. Ist Rassismus.

"Wann begreift Ihr es endlich??!!" <- Wer ist "ihr" und wer ist dann "wir"?  Dazu gibt es eigentlich nichts zu erklären, denn das ist, mittlerweile bekannt genug, ein faktisches Merkmal von imaginierter Gruppenbildung, mit dazugehöriger negativer Abgrenzungen, zur Aufwertung der eigenen defizitären Persönlichkeit.

Es gäbe da im Ganzen sicher noch mehr herauszulesen. Aber das langt erstmal.

Die Mühe der Erklärung mache ich mir übrigens nicht für Sie, sondern für die MitleserInnen :-)

Neonazis und Gewalt gegen Kinder

Das.ist.so.wichtig.zu.verstehen!

Es ist grundlegend, weil mit einem bestimmten Welt- und Menschenbild eben auch ein bestimmtes Bild vom Kind einhergeht. Und das ist nur die Spitze des Eisberges, der da bisher angekratzt wurde. Darüber könnte ich jetzt stundenlang referieren. Aber seht und denkt selbst ->

Keine Freunde

Ich wiederhole es gerne und immer wieder:

Rassisten, Nazis und Menschenrechtsverächter können nicht deine Freunde sein, selbst wenn sie zeitweise vermeintlich als Feinde deines Feindes daher kommen.

Warum? Darum: Wen sie sich gerade als Feindbild auserkoren, unterliegt der völligen Willkür und, ganz pragmatisch, dem zufällig gerade vorhandenen Angebot an potentiellen Zielscheiben für ihren Hass, ihren Sadismus und ihren pathologischen Größenwahn.

Schon bei der nächsten Umdrehung der Zeitschleife könntest du das sein.

Eure Freundschaft, so es sie denn gäbe, wäre kein Grund, dich nicht durchs propagandistische Dorf zu jagen und dem Schlächter mitleidslos vor die Füße zu werfen.

So einfach ist das.