Grundlegendes

Es scheint so banal, so plakativ und so undifferenziert. Da ich jedoch der Meinung bin, dass es etwas ganz und gar Grundlegendes ist, wiederhole ich es eben doch immer wieder und wieder. Es ist mir wichtig.

Die Deutungshoheit darüber, wer die jeweiligen „die da“ sind, ist eine reine Machtfrage und hat weder etwas mit Moral noch mit absoluten Wahrheiten zu tun.


Menschenwürde

„Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar.“
Das ist keine Meinung. Sondern Menschenrecht. Deine Sicht auf Welt, deine Lebenshaltung, deine inneren Werte und deine Meinungen können dem diametral entgegenstehen. Ändert aber nix. Es ist und bleibt verbindlich. Gilt für jede und jeden. Auch für dich. Das musste aushalten.

Trump

„Die Wahl Trumps ist ein Schlag gegen das Establishment“

Beim Lesen dieses heute immer und immer wieder wiederholten Kommentares in den Kommentarseiten der Medien gingen mir all die Bilder über das Leben und Wohnen und Arbeiten des Herrn Trump durch den Kopf. Und all seine Reden/Auftritten und die Reden/Auftritte von all den hausgemachten europäischen und deutschen rechten Politkern.

Einige habe ich mir im Laufe dieses Tages noch einmal angesehen/angehört. Und ich wiederhole mich gerne: Es ist dumm und gefährlich diese Personen als dumme Dumpfbacken anzusehen. Sie wissen genau, was sie wie tun und wo und wann sie wie agieren müssen.

Es gehört eine Menge Wissen und intrigantes Können dazu aus einer gänzlich anderen gesellschaftlichen Position heraus den authentischen Eindruck zu vermitteln, man gehe Seite an Seite mit denen von der anderen Seite durchs Leben. Dazu gehört als wesentlicher Faktor, dass man seine Adressaten und deren Gefühlslagen genau studiert haben muss.

Man holt die Leute sprachlich und rhetorisch genau da ab, wo sie sich am wohlsten, bestätigt, ernst genommen fühlen. Man passt sich ihrem Sprachgebrauch an und erschafft Bilder, die an deren inneren Imaginationen andocken. Komplexe Inhalte oder gar Fakten sind da zweitrangig oder gar schädlich. Nicht zu leugnen ist aber dieses Wissen um den anderen und dessen Sehnsüchte und seelische Befindlichkeiten. Eine Grundvorrausetzung für Manipulation und das intuitive Handwerkszeug jedes Psychopathen.

Populismus ist die hohe Kunst in kommunikativer Manipulation und Verarschung per se.

„Establishment bezeichnet eine wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich einflussreiche Milieugruppierung oder Klasse, eine etablierte Elite.“

Der Regen fließt immer noch nicht von unten nach oben – egal wie sehr sie sich bemühen es mir vorzugaukeln.

Schmölln

Ich habe mich jetzt durch viele Foren zu dem Vorfall durchgelesen und stelle, ganz für mich alleine, fest: Inhalt und Ton bei manchen der Beiträge, die sich über die menschenverachtenden Kommentare (und die Zuschauer und Gröhler während des Vorfalles) aufregen, sind vielfach genauso menschenverachtend. Es stößt mir auf und macht mich traurig, weil da so eine Grundhaltung spürbar ist, die ich nicht gutheißen mag und kann.
Nicht falsch verstehen, die Kälte und dieser Hass bei den drum herum stehenden Gaffern und Schreienden lässt mich sprachlos werden vor Verachtung. Aber, ich lass mich nicht dazu verführen, dass diese Verachtung in ebensolchen Hass umschlägt. Die Menschen(rechts)verächter hätten dann gewonnen. Das will ich nicht und werde ich in mir nicht zulassen. Auch wenn es mir manchmal sehr schwerfällt. Nicht meinen Hass bekommen sie, sondern meinen Zorn. Hass zerschlägt nur dumpf und ohne Verstand, zerstört den Hassenden am Ende selbst, doch der Zorn gebiert, wenn er im Mitgefühl verwurzelt ist, immer etwas Neues. In meiner Welt und in meinem Verständnis.

Meine Tränen für den jungen Menschen, der keinen anderen Ausweg aus dem schmerzenden Irrsinn in sich und um sich drum herum mehr fand als den eigenen Tod herbei zu führen.

Alter Zopf im alten Gewand

Warum tun alle nur so, als sei Rassismus, Xenophobie, Antisemitismus, Homophobie und rechtes Gedankengut was völlig Neues. Hallo, es gab keinen Bruch nach 1945, auch nicht nach 1968 und danach schon gar nicht. Die Einstellungen und Haltungen waren die letzten Jahrzehnte ungebrochen in der Bevölkerung vorhanden. Mal mehr, mal weniger öffentlich. Mal mehr, mal weniger verschwiegen, verdrängt, flüsternd. Mal mehr offensiv gewalttätig, mal weniger.

Weg war da nie etwas. Die Zeiten und Umstände sind im Augenblick nur günstiger um Woge zu machen und sich als „Partei“ zu etablieren. Und durch die neuen Medien kann man ja scheinbar gefahrlos endlich der Welt jeden menschenverachtenden Scheiß verkünden, ohne große Ängste und Hemmungen vor den Folgen haben zu müssen und dadurch den Eindruck erwecken, man sei ganz, ganz Viele.

Neu ist daran nix. Auch nicht die Anbiederung aller Parteien an die völlig depperten, eigentlich unwichtigen und oberflächlichen Themen und an die Art der schrägen „Problemlösungsvorschläge“ aus Angst um Wählerstimmen und eigene Pfründchen.

Was neu ist, ist das leise verhaltene, kaum noch hörbare Murmeln oder gar laute Schweigen all derer, die es eigentlich besser wissen, anderes denken, allereigentlich nichts damit zu tun haben wollen. Das ist neu. Ja. Beängstigend neu. 

Die Kinder haben ein Gesicht

"Müssen Sie eigentlich, immer wenn es um Flüchtlinge und Migration geht, so herzzerreißende Kinderbilder mit hochladen, Frau Müller?"

"Ja, muss ich. Denn es geht ja um Kinder, die gerade elendig verrecken. Diese haben Namen und, aufgepasst!, Gesichter."

"Es nervt aber!"

"Schmeckt Ihnen dann Ihr Frühstück nicht mehr?"

"So ungefähr."

"Drauf geschissen."

"Hallo! Das war jetzt unfreundlich!"

"Ach, aber Sie baden in Menschenfreundlichkeit? Immerhin bleibt Ihnen beim Anblick der Kinder zumindest das Brötchen im Halse stecken. Es besteht Hoffnung. Immerhin"

Sprachlosigkeit

„Weißt du nicht, was überall auf der Welt passiert? Was Menschen den Menschen antun?“

„Na und, Menschen wachsen nach.“

Gesprächsabbruch

Dazu fiel selbst mir nix mehr ein.

Ist das Zynismus? Empathielosigkeit? Innere Verhärtung? Dummheit? ... Manchmal weiß ich es wirklich selbst nicht mehr. Damit umgehen fällt mir immer schwerer. Es ist, als würden wir in völlig unterschiedlichen Universen leben und würden nicht die gleiche Sprache sprechen. Ich verstehe zwar die Buchstabenreihungen, aber ich kann irgendwie nicht mehr folgen. Verständigung nicht mehr möglich, da ich nicht weiß, wo ich ansetzen sollte. Da ist so grundsätzlich etwas völlig verschoben im Menschenbild.

Das macht mich traurig. Und hilflos.